28. November 2010


Als die Augen meiner Großmutter das Sehen aufgegeben hatten, kramte sie die alten Geschichten hervor. Besonders gern sprach sie von den winterlichen Schiffsfahrten in ihrer Jugend, da sei ihr schon beim Betreten der hölzernen Gangway die Aufgeregtheit der Welt abhanden gekommen. Wenn ich nachfragte, was sie damit meinte, weil ich mir als Kind nicht vorzustellen vermochte, dass die Welt zu ihrer Zeit so aufgeregt war wie heute, lächelte sie still in sich hinein. Noch immer sähe sie die schneeigen Wolken am Himmel, die Gänse in der Luft, die Farbe des Reets am Ufer, die Laufgänge der Schafe im überfrorenen Gras des Deiches und das Licht auf den Wellenspuren, die der Kiel des Schiffes im Wasser des Flusses zog.

Elke Loewe

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Eine Bilderreise durch Geversdorf